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Parasitismus in der Aquaristik


Diskusfische im natürlichen Einzugsbereich des Amazonas

Diskusfische sind wundervolle Geschöpfe, die geboren wurden, um in ihrer majestätischen Weise die Flüsse des Amazonas zu bewohnen. Sie haben sich im Lauf der Evolution an die variablen Bedingungen angepasst. Diskusfische genießen ihr Leben in der Gemeinschaft und entwickeln spezielle Beziehungen wo sie sich stark und wohl fühlen. Jeder der Fische hat eine eigene Persönlichkeit und einen eigenen Charakter. Diskusfische kommunizieren untereinander.  Sie werden von Ihrem Lebensraum Wasser direkt beeinflusst. Eine Änderung der Umweltbedingungen ist zwar in engen Grenzen möglich, ohne dass das Wohlergehen beeinträchtigt wird, aber unter ungünstigen Umweltverhältnissen kann dies negative Auswirkungen haben. Das Fällen der Bäume sowie das Vergiften der Flüsse hat in der letzten Zeit gezeigt, dass der Raubbau an der Natur auch den Bestand der Fische im Amazonas deutlich reduziert hat.


Lebensraum "Aquarium"

Unsere Diskus leben in einem nachgeahmtem kleinen Ökosystem, das von einem äußeren Umfeld abgegrenzt ist. Wir beeinflussen alle Vorgänge und Prozesse. Die Menschen versuche, das fragile Ökosystem "Aquarium" so weit es nur geht der Mutter Natur nachzuahmen. Die Gesundheit der Mikroorganismen und die Abbauprozesse, die durch die Bakterien erbracht werden, ist eine Grundlage funktionierenden Systems. Leider können wir trotz moderner Technik, die nötig ist um das Biotop des Aquariums annähernd nachzuahmen, den Idealzustand wohl auch in Zukunft nie erreichen.
Der Stressfaktor "Aquarium" belastet die Fische in dem sie leben und der enorm enge Schwimmraum erhöht extrem den Parasiten-Infektionsdruck. Hinzu kommt, dass Schmarotzer aus vielen globalen Erdteilen bei den Diskus keine Seltenheit mehr sind.
Nach meinem Verständnis stellt der Parasitenbefall, der gerade bei Jungfischen massiv ist, eine Maßnahme der Natur dar. Doch leider sind die Fische in dem Aquarium einem sehr starken und nicht mehr natürlichen Selektionsdruck unterworfen. Auf Grund dieser Tatsache muss nun der Diskushalter eingreifen und versuchen, den Parasitenbefall so weit wie möglich zu dezimieren, um seinen geliebten Lebewesen die bestmöglichen Lebensbedingungen zu bieten.
Für uns Züchter und Hobbyhalter der modernen Zeit stellt der Verlust eines Fischen wegen Parasitenbefall eine mehr oder weniger schmerzhafte Tatsache dar. Doch sollten solche Todesfälle für uns Halter, und damit Verantwortlichen für das Tierwohl, immer als Anlass dienen, die Haltung und Gesundheit der uns anvertrauten Tiere kritisch zu überdenken.


Parasiten und Parasitismus

Ein Urproblem sämtlicher Tiere ist der Nahrungserwerb - eine Voraussetzung die unabdinglich zur Erfüllung der Lebensfunktionen ist. Parasiten sind Lebewesen, die sich erfolgreich unter erstaunlichen evolutionären Leistungen in eine Richtung spezialisiert haben: nämlich Nahrung auf Kosten des Anderen zu beziehen. Jedes Lebewesen oder Erreger, welche eine Zelle, Gewebe oder Körperflüssigkeiten eines Fische infizieren, sind Parasiten. Dazu gehören Protozoen, Würmer und blutsaugende Arthropoden. Streng genommen gehören pathogene Bakterien, Pilze und Vieren auch dazu. Sie existieren durch einen kontinuierlichen Energie- und Nahrungsraub, ohne zu deren Nutzen beizutragen. Der Fisch wird durch das Schmarotzertum geschwächt. Das heißt nicht, dass der Wirt (Fisch) aufgrund der Folgend eines Befalls den Tod erleidet - ansonsten würden Parasiten ihre Nahrungsquelle vernichten. Es sei denn, es gibt viele Wirte, wie es bei einer herkömmlichen Haltung der Fall ist.
Im natürlichen Habitat entwickeln Diskusfische und Parasiten im Allgemeinen eine gewisse gegenseitige Toleranz. Dennoch regulieren Parasiten die Größe ihrer Wirtspopulation, schwächen das Immunabwehrsystem, senken deren Fortpflanzungsrate und verändern ihre Verhaltensweisen. Parasitismus ist eng mit einer Räuber-Beute-Beziehung verbunden. Dies scheint oft in aquaristischen Kreisen mit symbiotischer Partnerschaft oder Komensalismus verwechselt zu werden.
Der in freier Wildbahn lebende Diskus hat gelernt verschiedene Reinigungsmethoden zu entwickeln, um die Schmarotzer los zu werden. Als Beispiel hierfür gilt, dass die Fische aus dem Wasser springen und dadurch die Außenparasiten wegschleudern. Bei der Futteraufnahme pusten Diskusfische in den feinen Sand - somit gelangen kleine Partikel Sand in die Kiemenhöhle. Dadurch werden Kiemenwürmer, Bakterien und andere unerwünschte Tierchen auf feine Art und Weise von den Kiemenlamellen weggeschossen. Diskusfische nutzen die warme Jahreszeit, indem sie durch die Sonne aufgeheizte Gewässer anschwimmen. Dadurch werden effektiv viele Endo- und Ektoparasiten stark reduziert. In der Vergangenheit wurden von verschiedenen Instituten Wildfänge auf Parasitenbefall untersucht. Es wurde immer wieder festgestellt, dass diese Tiere einen enorm niedrigen Parasitenbefall aufweisen. Diese Tatsache veranlasste mich, unter anderem parasitenfreie Diskusfische zu kaufen. Später ist es mir erfolgreich gelungen, viele Farbschläge parasitenfrei zu machen.

Eine parasitenfreie Haltung ist eine wunderbare Herausforderung, denn die Fische sind völlig unproblematisch in der Aufzucht sowie in der Zucht. Die Tiere sind sehr kontaktfreudig, ziehen sich nie zurück und zeigen ihre natürliche Schönheit und Farbenpracht.