
Anfänge &
Erfahrungen
Kiemenwurm- und flagellatenfreie Diskusfische im Schauaquarium
Ein bepflanztes Aquarium mit Bodengrund gefärbten, vitalen Diskusfischen, war für mich immer die Krönung in der Süßwasseraquaristik.
In früheren Zeiten hielt ich bereits südamerikanische (acidophile) Fischarten, die ich auch mit Erfolg nachgezüchtet hatte. Trotz Aussagen und Berichte anderer Halter und Züchter über die
Empfindlichkeit der Diskusfische, entschied ich mich trotzdem eines Tages diese herrlichen Tiere zu kaufen.
Kurz nach dem Einsetzen in das bepflanzte Aquarium bildeten sich Paare, mit denen ich meine ersten Diskus nachgezüchtet hatte. Leider konnte die Brut nur bis zu einer bescheidenen Größe aufgezogen
werden. Sie schwammen japsend an die Wasseroberfläche und verweigerten jegliche Futteraufnahme.
Nach einer mikroskopischen Untersuchung stellte ich einen massenhaften Kiemenwurmbefall fest. Eine Kotprobe ergab einen Befall mit dem Flagellaten namens Protoopalina sp., der schon bei einer
geringen Vergrößerung leicht zu bestimmen war. Durch eine 650fache Vergrößerung des Präparats konnte ich einen weiteren Flagellaten der Gattung Spironucleus nachweisen.
Dies zwang mich eine Kiemenwurmbehandlung durchzuführen. Nach zweimaliger Behandlung im Quarantänebecken mussten sich die Fische erholen, um anschließend die Fische von Flagellaten zu befreien. Dazu
wurden Antibiotika eingesetzt. Kurz nach Abschluss dieser Behandlungen trat eine Besserung ein.
Ich stand kurz vor der Verzweiflung, als einige Wochen später die gleichen Symptome bei den Jungfischen erneut auftraten.
Im Gesellschaftsbecken entstand eine ähnliche Situation wie oben beschrieben. Die ausgewachsenen Tiere standen hinter den Pflanzen, anfangs wurde die Nahrung noch von einzelnen Diskusfischen
aufgenommen, bis ein wenig später auch diese nichts mehr fraßen.
Dieses Verhalten war eindeutig auf Flagellatenbefall zurückzuführen, zudem hatten die Fische weiße Kotfäden, die bis zum Boden hingen. Kiemenwürmer schienen den ausgewachsenen Diskusfischen nicht
viel auszumachen. Die Kuren wurden mit erhöhten Medikamentenzugaben wiederholt. Offensichtlich sind die Parasiten und Flagellaten resistent gewesen. Eine weitere Behandlung schien überflüssig
geworden zu sein. Nach vier Jahren Frust und Doktorspielchen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und dem Verlust von einzelnen Diskusfischen ist mir die Freude endgültig vergangen. Ich
beschloss alles aufzugeben.
Nach einem Jahr Erholungspause stieß ich auf mehrere Artikel über flagellaten- und kiemenwurmfreie Haltung: Diskus Jahrbuch Spezial Nr. 3. S. 82 und Diskus Jahrbuch Spezial Nr.4, S. 26 und das Datz
Sonderheft 1996.
Es klang sehr viel versprechend und verständlich. Längere Zeit verging bis ich die nötigen Informationen und Maßnahmen für eine flagellaten- und parasitenfreie Pflege reibungslos vorbereiten
konnte.
Mein neues Becken stand da! Nachdem sich die Wasserwerte stabilisiert hatten, wurden meine ersten flagellaten- und parasitenfreien Diskusbabies eingesetzt. Die Tiere holte ich von einem Züchter aus
dem Odenwald. Er hatte gerade kiemenwurm- und flagellatenfreie Diskusfische abzugeben. Die Spannung war groß, da ich keinen Fehler machen wollte. Die Pflanzen wurden von mir in einer
Wasserpflanzengärtnerei abgeholt, weil in diesem Fall die Sicherheit vorgeht. Ein Kontakt der Pflanzen mit anderen Fischen oder sonstigen Lebewesen, könnte eine sichere Übertragung auf saubere Diskus
bedeuten.
Zusätzlich wurden die erworbenen Pflanzen einer dreimonatigen Quarantäne unterzogen. Danach habe ich einen parasiten- und flagellatenfreien Diskus dazu gesetzt. Einen Monat später wurde dieser Fisch
gründlich untersucht. Ein erster Erfolg - Pflanzen konnten in ein Amazonasbecken eingesetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten meine Diskus eine beachtliche Größe erreicht und auch die Pflanzen im
neuen Aquarium sofort akzeptiert.
Nun vergingen vier Jahre ohne irgendwelche Komplikationen, geschweige denn Krankheiten. Meine Diskusfische, die ich bereits nachzüchte, wachsen enorm schnell und natürlich medikamentenfrei auf. Das
mag zwar aufwendig klingen, ist es aber nicht.
